Staatssekretär Klaus Borger, Umweltministerium Saarland war da!

MV_03Im Saarland hat sich nach den Landtagswahlen zur Regierungsbildung bekanntlich eine schwarz-grün-gelbe Koalition gebildet, wobei die "Bündnis 90/ Die Grünen" die Umweltministerin gestellt haben. Dort ist Klaus Borger zum Staatssekretär berufen worden, der zeitgemäßen ökologischen, natur-, tierschutz-, waldbaulichen und jagdlichen Gesichtspunkten gegenüber sehr aufgeschlossen ist. Das kommt auch im Koalitionsvertrag zum Ausdruck, in welchem auch vom ÖJV geforderten Gesichtspunkten sehr viel Rechnung getragen wird. Damit dürfte das Saarland das erste Bundesland sein, was von den erweiterten Möglichkeiten der Föderalismusreform I in ausgezeichneter Form Gebrauch macht!

 

Der Staatssekretär begann seinen Vortrag mit den Auswirkungen der bisherigen Jagd im Saarland: weil viel zu viel bis teilweise alles vom Schalenwild (das sind Rehe, Rotwild,Damwild, Anmerk. d.Red.) verbissen wird, beklagt er ein "Waldsterben von unten" und neuer Wald könne nur dann wachsen, wenn er in Zäunen "eingesperrt wird"!

Durch die offensichtlich "höchste Hochsitzdichte der Welt" ist eine regelrechte "Möblierung der Landschaft" entstanden und die Wildschweine sorgen zu Hauf für gepflügtes Grünland! Dies alles wurde untermauert mit eindrucksvollen, ja z.T. unglaublichen Bildern und selbst der sehr jägerfreundliche Umweltminister a.D.
Mörsdorf hatte am 8.6.2006 in der SZ zugeben müssen:" In den Saarwäldern ist es durch Wildverbiß zu verstärkten Wildschäden gekommen". Die bisherige Jagd hat zu einer Individuenvermehrung beim Schalenwild geführt und gleichzeitig zu einer Artenverarmung, z.B. bei den Beutegreifern als ungeliebte Konkurrenten für die Jäger. Stattdessen gab es in der Jägerschaft "Edelmetall für die dicksten Trophäen"!

Nachdem Staassekretär Borger auf die enorm hohen Kosten für die Volkswirtschaft durch die Waldschutzkosten für die zahlreichen Zäune hingewiesen hatte, fragte er provozierend zu einem Bild aus einem Naturschutzgebiet mit völlig zertretenem Waldboden, Fütterungseinrichtungen für das Schalenwild, dem unvermeidlichen Hochsitz und Blick auf die bisherige Jägerschaft: "Ist das wirklich die größte Naturschutz-Initiative in der Bundesrepublik?"

Dann stellte er im Einzelnen die 25 Ziele des Koalitionsvertrages vor, die im wesentlichen eine Öffnung der Ausbildung und Prüfung von Jägern aus allen Jagdverbänden sowie deren Beteiligung in Beiräten beinhalten soll. Statt der bisherigen, aufwändigen, aber praktisch für den Waldzustand nutzlosen Abschusspläne für Rehwild sollen Abschusszahlen über Waldzustandsinventuren und "Weisergatter" hergeleitet werden (Weisergatter sind kleine Gatterflächen von ca. 25 m x 25 m, neben denen dieselbe Fläche für das Wild frei zugänglich verpflockt wird, um die Auswirkungen des Wildverbisses optisch und durch die Artenzahl, Anzahl und Wuchshöhe von Waldbodenpflanzen nachweisen zu können. Anm.d. Red.). Denn bisher gab es im Saarland offiziell keine "Waldschäden", sondern durch Wild nur Schäden in der Landwirtschaft!Desweiteren sollen wildbiologisch notwendige und jagdpraktisch sinnvolle Änderungen der Jagdzeiten z.B. auf den Rehbock eingeführt werden und die bisherige Jagdweise, die an 365 Tagen und Nächten, also praktisch durchgehend und nicht nur für jagdbare Tiere Störungen verursachte, in eine effizientere Jagd weiterentwickelt werden.
Der Abschuss von Hunden und Katzen in der bisherigen Form soll verboten werden, stattdessen sollen notwendige Maßnahmen durch die Polizei angeordnet werden können. Auch soll die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren eingestellt werden, da es genügend Beispiele von gut ausgebildeten Hunden gibt, die nicht an lebenden Tieren trainiert wurden.
Fallenjagd und Wildkirrung (Anlocken von z.B. Wildschweinen, Anm. d.
Red.) sollen abgeschafft werden und artenschutzrechtliche Aspekte aus dem Naturschutzgesetz sollen Vorrang vor jagdrechtlichen Aspekten bekommen. Daher soll in Naturschutzgebieten die Jagd nur dann ausgeübt werden, wenn kein Widerspruch zu den, sondern eher eine Förderung der Naturschutzziele gegeben sein wird. Auch sollen nicht nutzbare und/oder seltene jagdbare Tierarten über die Landesjagdzeiten-Verordnung geschützt werden.


Interessant ist auch die Absicht, u.a. aus Tierschutzgründen eine Schonzeit für Füchse vom 15.2. bis zum 15.8 eines jeden Jahres einzuführen, und da man den Fuchsbalg im Sommer sowieso nicht nutzen kann. Außerdem soll ein Modellprojekt zu einem "Bejagungsverbot des Fuchses in der 36 000ha großen Biosphärenregion Bliesgau" durchgeführt werden.

Das alles und noch eine ganze Menge mehr soll durchaus in Zusammenarbeit mit den Jägern geschehen, aber auch mit anderen Jagd-,  Naturschutz- und Tierschutzverbänden, also allen, die meinen, mitreden zu wollen oder zu müssen, wenn es um die Jagd geht. Damit wird ein gesellschaftlicher Konsens angestrebt, den es bisher in dieser Art und Weise nirgendwo in der Bundesrepublik gibt, der aber mit dafür sorgen kann, dass die Jäger und die Jagd als solches auch in dreißig und fünfzig Jahren noch eine Zukunft haben! Denn das wurde durch diesen hervorragenden und mit zahlreichen, eindrucksvollen Bildern untermauerten Vortrag deutlich: so, wie bisher, kann und soll die Jagd (im Saarland) nicht bleiben!

Wir vom ÖJV- NB können nur hoffen, dass dieses gute Beispiel auch bei uns Schule macht, alte Zöpfe endlich abgeschnitten werden, d.h. das Jagdrecht entrümpelt und modernen Erfordernissen angepasst wird!
Wir danken Herrn Staatssekretär Borger auch an dieser Stelle noch einmal dafür, dass er uns seine Zeit geschenkt und diesen hervorragenden Vortrag in Hannover gehalten hat!