Bericht von den Brauchbarkeitsprüfungen (BP) des ÖJV-NB im November und Dezember 2020

Aufgrund der anfangs unklaren Situation durch Verschärfung der Corona-Bestimmungen und corona-bedingten Absagen von Drückjagden entschieden wir uns kurzfristig die Prüfungstermine zu verlegen. Das war nur möglich, weil Prüfer, Hundeführer, Revierinhaber und Helfer sich so flexibel zeigten und spontan für die vorverlegten Termine zusagten. Dafür gilt allen Beteiligten großer Dank!

 

Die Nachsuchenprüfung fand am 01.11.20 statt, es nahmen drei Hunde daran teil: Westfalenterrier, Schweizer Niederlaufhund, Heideterrier. Das Wetter am Prüfungstag war kühl und nahezu windstill, der angekündigte Regen blieb aus. In der Nacht war nur wenig Niederschlag auf die am Vortag gelegten Fährten gefallen, was aber bei durchfeuchteter Vegetation genügt hatte, um die Pirschzeichen fast vollständig in den Boden zu waschen. Kurz gesagt: gute Bedingungen für die Hundenasen, aber für die Hundeführer so gut wie keine Bestätigungen mehr zu sehen. 

Zuerst wurden Schussfestigkeit und der Gehorsamsteil geprüft, hier bestanden alle Hunde. Danach folgte die Riemenarbeit auf der 20-Stunden Übernachtfährte. Kein Hundeführer meldet seinen Hund leichtfertig für eine Prüfung auf einer 1000 Meter langen Fährte an. Im Vorfeld ist sehr viel Übung notwendig. Aber auch wenn der Hund sehr gut vorbereitet ist, kann es vorkommen, dass er am Prüfungstag seine Leistung nicht zeigen kann. Zwei Hunde folgten im Verlauf ihrer Fährte Verleitungen, kamen weit von der Fährte ab, mussten öfter als zweimal von den Prüfern zurückgenommen werden und konnten daher die Prüfung nicht bestehen.

Westfalenterrier-Hündin Greta saugte sich von Beginn an förmlich auf der Fährte fest und folgte ihr konzentriert, sicher und zügig, dabei aber ohne jede Hektik, mit der Nase immer tief am Boden. Nach dem zweiten Haken kam die Hündin kurz von der Fährte ab, fand sie aber durch Bogenschlagen schnell wieder. Leider war der Hundeführer hier verunsichert, entschied sich, nicht dem Hund zu folgen, was zu einem Rückruf führte. Erneut am vorher durch den Hundeführer markierten zweiten Wundbett angesetzt, arbeitete die Hündin die Fährte sicher bis zum Ende. Dort angekommen erfolgte noch die Anschneideprüfung, bei der die Hündin folgsam am abgelegten Stück sitzen blieb. Prüfung bestanden!

 

Die Stöberprüfungen fanden am 05.12. und 11.12.20 im Rahmen von Bewegungsjagden auf Schalenwild statt. Alle Hunde wurden im Treiben zur Unterstützung der Treibertätigkeit geführt. An den beiden Prüfungen nahmen insgesamt acht Hunde teil: Save-Bracken Mischling, Grand Anglo Francais Mischling, Bayerischer Gebirgsschweißhund, Segugio Maremmano, Border Terrier, Parson Russell Terrier, Heideterrier, Kleiner Münsterländer. Alle geprüften Hunde zeigten sich schussfest und gehorsam, auch die Anschneideprüfung stellte kein Problem dar. Zwei Hunde konnten die Prüfung leider nicht bestehen, weil die gezeigte Stöberleistung nicht den Anforderungen der Prüfungsordnung entsprach. 

Die Anforderungen an Hunde bei Stöberprüfungen werden häufig unterschätzt. Stöbern bedeutet, dass ein Hund selbstständig, planmäßig und gründlich in unübersichtlichem Gelände außerhalb der Kontrolle des Hundeführers Wild sucht. Gefundenes Wild muss der Hund laut jagend verfolgen (der Zweck ist, das Wild vor die Schützen zu bringen!) und im Anschluss muss er in angemessener Zeit zum Hundeführer zurückkehren. 

Jeder interessierte Hundeführer muss sich unbedingt mit der Prüfungsordnung vertraut machen und für sich ehrlich einschätzen, ob sein Hund die Anforderungen erfüllen kann und es sinnvoll ist, ihn zu einer Prüfung anzumelden.